Anschlag auf Christopher Street Day in Berlin
Ich war nicht dabei am Samstag, es hatte mir zuviele Leute. In der S-Bahn freute ich mich ob der vielen bunten Menschen, die Stimmung war schön, dass Wetter prächtig.
In den 90er Jahren landete ich an einem wunderbaren Julitag mit einer Freundin ungewollt im Umzug. Wir fanden das wundervoll, wir kannten das aus der Schweiz (noch) nicht. Tanzten, was das Zeug hielt, hörten die Musik, staunten über die Vielfalt.
Wie gesagt, am letzten Samstag fuhr ich nicht hin. Obwohl: Das Wetter war optimal. Ich ging früh zu Bett.
Morgens, als ich mir die 100 besten Liebeschlager aller Zeiten (oder so ähnlich) auf Radio eins anhören wollte, erfuhr ich es: Es gab einen Anschlag. Eine Frau tot, 29 Verletzte, die Schlagerparade abgesagt. Ich war betroffen.
Einige Stunden später die Politiker. Immer das Gleiche. Hülsenwörter. Einer, der noch vor kurzem von der queeren Community als Zirkus sprach, mimt Betroffenheit, sagt, das sei ein Anschlag auf uns alle.
Weshalb es in Deutschland immer wieder Einzeltätern gelingt, solche Massaker zu veranstalten, obwohl sie als gefährlich, enorm gefährlich, terroristisch bekannt und registriert sind, bleiben mir ein Rätsel. Weshalb wird ein 21 Jähriger nach Jugendstrafrecht verurteilt? Weshalb muss die Staatsanwaltschaft, die gegen die Aussetzung der Haftstrafe auf Bewährung war, warten, bis es zu spät ist?
Dieses Attentat vom Samstag beschäftigt mich. Macht mich wütend und fassungslos.