von Aurelia Becker
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Basel - Berlin und zurück

Viele Wege führen nach Berlin. Manchmal mit dem Auto oder Flugzeug, öfters mit der Bahn. Basel liegt günstig, um nach Berlin zu kommen. Da gibt es den Flughafen Basel-Mühlhausen, den Badischen Bahnhof oder den direkten Autobahnanschluss A5. Das Auto ist am aufwändigsten und teuersten. Für die gut 850 Kilometer brauche ich 9 Stunden. Von Haus zu Haus, versteht sich und auch nur, wenn es keine Staus oder Baustellen gibt. Das Auto nutze ich eigentlich nur, wenn ich viel oder etwas spezielles zu transportieren habe. Wie zum Beispiel letzten Sommer einen Teppich. Das Autofahren stresst mich, da ich mich unwillentlich immer in einen Wettstreit mit dem Navi begebe. Zeigt es an: Ankunft 18.45, werde ich getigert, um 18.15 anzukommen. Die teilweise unlimitierte Geschwindigkeit auf Deutschlands Autobahnen - schneller als 160 fahre ich nie - fordert mich und meine Konzentration unangenehm heraus.

Der Flug dauert zwar nur eine gute Stunde, wenn man aber die Hin- und Wegfahrt vom Flughafen, die Sicherheitskontrollen und Wartezeit miteinrechnet, kommt man auch auf 4-5 Stunden. Zudem ist Fliegen nicht ökologisch und die Sitze eng.

Im ICE leiste ich mir manchmal 1. Klasse. Und Ruhewagen. Wenn man Glück hat, ist der Speisewagen geöffnet, wenn man Pech hat, kommt man mit 5stündiger Verspätung in Berlin an und verpasst die Opernaufführung, für deren Karte man sich richtig ins Zeugs gelegt hat.

Vor einem halben Jahr entdeckte ich Flixtrain - ja, das ist dieser quetschgrüne Bus, der jetzt auch Züge hat. Und zwar die alten von der Deutschen Bahn. Die Preise sind gigantisch: Mal 14 Euro, mal 30. Aber immer günstig. Für 5 Euro kann ich mir den Nachbarnsitz dazu reservieren. Es gibt W-Lan, aber nicht in allen Wagen eine Klimaanlage. Und keinen Speisewagen. Fahrzeit gute 8 Stunden. Es kam aber schon vor, dass der Zug eine viertel Stunde zu früh im Berliner Hauptbahnhof eintraf. Meine bisherigen Erfahrungen mit Flixtrain sind hervorragend. Das Personal ist jung und freundlich.

Anfang September dachte ich, ich gebe der Deutschen Bahn nochmals eine Chance und löste für 90 Euro ein Erstklassticket, alleinstehender Sitz im Ruhewagen. Eine Stunde vor Abfahrt erhielt ich eine Email: Der Zug falle aus und sie hätten mich auf einen anderen umgebucht. In Berlin-Spandau konnte ich nirgends ausfindig machen, wie die Zugformation war und somit auch nicht, wo mein Sitz war. Ich musste mich mit meinem Gepäck durch den überfüllten Zug quälen. Als ich meinen Platz endlich fand, sass da eine andere Person drauf, sie überliess ihn mir aber ohne murren. Der Platz ging zum Gang, in einem Wagen, in dem die Leute im Gang standen, z.T. mit Rücksäcken, die mich bei jeder Bewegung touchierten. Der Geräuschpegel im Raum war gigantisch. Meine Kopfhörer halfen nur bedingt. Die Überfüllung löste sich erst nach 8 Stunden in Freiburg. In Basel, Badischer Bahnhof kam ich mit einer Stunde Verspätung an. Und ja, der Speisewagen hatte auch zu - wegen Personalmangel.

Ich glaube, das wars. Die Deutsche Bahn und ich werden künftig getrennte Wege gehen. Zwar sah ich, dass Flixtrain ihre Preise aufs 2026 auch angepasst haben - grosses Gepäckstück 5 Euro, obligatorische Sitzplatzreservierung 10 Euro. Aber ich meine, das ist vertretbar. Und dass das Flixtrainpersonal hin und wieder mit einem Raumspray durch die Wagen gleiten, nehme ich augenzwinkernd in Kauf.

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