Grüner Grusel
Mein Mobile begleitet mich überall hin. Ich habe eine Handykette und wenn ich es dennoch zuhause vergesse, kehre ich zwingend zurück. Alles passiert über dieses Gerät: ÖV-Ticket, Banking, Sozial Media, Musik, Schrittzähler oder Kinokarten. Manchmal spiele ich auch.
Im Zug oder Bus aber nutze ich es selten. Ich mag die akustische Ruhe. Im Tram zu sitzen und rauszuschauen. Oder Menschen beobachten. Längst bin ich fast die Einzige, die während der Fahrt nicht auf dieses Glasteil schaut. Jüngst beelendete mich folgende Szene: Ein Geschwisterpaar, das Mädchen höchstens anderthalb im Kinderwagen, der Junge zirka drei. Der Junge schnappt sich das Handy seiner Schwester, die sofort wie am Spiess zu schreien beginnt. Die Mutter daneben telefoniert seelenruhig weiter. Der Junge beschäftigt sich jetzt intensiv mit dem erbeuteten Gegenstand: Spiel? Video? Die Schwester hört mit Fuchteln und Schreien nicht auf.
Ganz abgesehen davon, dass ich schreiende Kinder in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht schätze, schockierte mich das Gesehene. Was macht dieser exzessive Smartphonekonsum mit einem Hirn, das noch kaum entwickelt ist? Wohin driftet unsere Gesellschaft? Aufzuhalten sind die Smartphones nicht. Ich bin Realistin.
Nach ungefähr zwei Minuten gibt der Junge seiner Schwester das Handy zurück. Er hat ihr auf den Bildschirm ein grünes Gruselmonster gezaubert. Das Mädchen ist augenblicklich still und lächelt gebannt und starr auf seinen Bildschirm.