von Aurelia Becker
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Stipendium

Ich habe mich beworben.

Auf ein Stipendium.

Aufwendig. Eine Woche intensiv. Informationen auf der Website schwierig. Vom Chef persönlich erhalte ich Antwort auf meine Mail. Ich will das Formular ausfüllen ohalätz, der Link führt ins Nirwana. Nochmals Mail, nochmals Chef. Was das wohl kostet? Ich such die Wegleitung. "Die können wir frühestens bei der nächsten Bewerbungsrunde hochschalten."

Ich lege los und schicke ab. Mein Projekt: Ein Roman. Zehn Kapitel (mittlerweile zwölf), 200 Seiten. Manchmal experimentell.

Eingangsbestätigung, dann warten. Warten, warten.

Bis ein Brief kommt. Ich weiss, dass das nichts Gutes  bedeutet. Gut sind Telefonate. Der Brief kommt am 15.3.24 (datiert auf 6.3).

"Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass ... Ihrem Gesuch ... nicht entsprochen werden kann. Die Jury anerkennt Ihr Bemühen nach einer eigenen Sprache, jedoch vermag diese in ihrer Verknappung den Text und die Charaktere oft nicht zu tragen...und es ist nicht nachvollziehbar, inwiefern es sich im vorgelegten Manuskript um eine Coming of Age Geschichte handelt" (habe ich das irgendwo geschrieben?).

Mit dem muss ich Leben. Was mich irritiert, ist die quasi Aufforderung am Schluss, sich gegen diesen Entscheid mit einem "Erlass einer anfechtbaren Verfügung zu wehren".

Bin ich Michaela K.? Was kostet das alles: Rekurs, Gutachten, erneutes Befinden? Mehr als mein erhofftes Stipendium?

Ich lass es so bewenden. Ich fahre fort mit meinem Roman. Ich hab ein gutes Gefühl. Aber das hatte Florence Foster Jenkins bei ihren Arien auch.

 

Mit dem Velo in Berlin

Ich wohne in Pankow. Dass hier statistisch gesehen die meisten Fahrräder in Berlin gestohlen werden, musste ich schmerzlich selber erfahren. Gerade mal einen Tag überlebte mein Velo, bis es vermutlich - wie mir die Polizei berichtete - in einem weissen Lieferwagen nach Polen transportiert wurde. Da ich das Fahrrad in der Stadt mit Abstand als das geeignetste Fortbewegungsmittel erachte, kaufe ich immediately ein neues, selbstverständlich gebraucht und scheisse aussehend. Das Schloss kostet mehr als das gesamte Fahrrad.

Aber jetzt kann es losgehen. Ich merke: In Berlin hält man sich an die Verkehrsregeln. Kaum jemand wagt es, bei rot durchzufahren. In Basel ist das Alltag. Die Velofahrenden sind dort aggressiv und rot scheint für sie nicht zu gelten. Berlin ist viel ruhiger. Angenehm. Keine blöde Anmache, wenn ich auf dem Trottoir fahre oder in die Gegenrichtung. Füssgänger und Velofahrende kommen - so scheint’s auf jeden Fall - problemlos aneinander vorbei.

Berlin ist einfach zu fahren. Jedenfalls was die Höhenunterschiede angeht. Es gibt nur einen Berg, und dessen Steigung ist für eine Schweizerin lächerlich: Der Prenzlauer Berg. Was ähnlich wie in Basel ist, sind die Tramschienen. Jedenfalls im Ostteil der Stadt. Die reichlich vorhandenen Velowege werden grossmehrheitlich mit den Fussgängern und nicht mit den Autos geführt. Und zwar im Zick-Zack. Das hindert mich, schnell zu fahren. Vielleicht ist das auch ein Grund, dass sich E-Bikes in Berlin nicht durchsetzten wollen. Wozu auch? Schnell fahren kann ich höchstens auf der Busspur un bergauf geht es nie.

Dass die Radfahrer auf der Busspur fahren dürfen, scheint neu zu sein. Auch die sogenannten Fahrrahdstrassen. Wie zum Beispiel in der Linienstrasse. Am Boden gezeichnete Fahrräder und - für mich als Schweizerin besonders interessant - zwei Spuren mit je einer Abstandslinie zu den geparkten Autos. In Basel gibt es immer wieder schwere Unfälle mit Fahrrädern, die in eine unverhofft und unvorsichtig geöffnete Autotür reinknallen. Diese Berliner Abstandslinie versucht wohl gerade diese Gefahr zu verhindern.

Mein Fazit: Ich liebe es, Berlin per Rad zu erkunden. Entlang der Spree, durch den Tiergarten, vorbei am Kanzleramt ist schon eindrücklich. Nachts aber bevorzuge ich die belebt-hässlichen Hauptachsen - schliesslich möchte ich keinem Gewaltverbrechen zum Opfer fallen. Weder im Tiergarten noch an der Spree. 

 

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