von Aurelia Becker
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Vereisung

In Berlin darf nicht gesalzen werden, auch nicht bei wochenlangen Minustemperaturen. Die Notfälle seien überfüllt, lese ich in einer Tageszeitung. Als ich vorgestern Abend bei minus 12 Grad am Hauptbahnhof ankam, versagte als erstes der Aku meines Handys. Ist nicht so schlimm, denn ich war vorbereitet und froh, dem vollbesetzten Zugabteil ohne Lüftung entkommen zu sein.

Einmal mehr buchte ich Flixtrain. 14 Euro die Fahrt, extra Sitzplatz plus 10. Das leiste ich mir. Im Vorfeld wurden meine zwei Sitze dreimal umgebucht. Zuerst entfiel ein Wagen (der 100), dann irgend was anderes. Das Personal ist aber freundlich und mit einem Klick auf meinen QR Code weisen sie mir den richtigen Platz zu. Ich sitze lieber zum Gang als am Fenster und schaue während der Fahrt Serien. Diesmal Cry Wolf. Eine Teenager Tochter klagt ihren Stiefvater der Gewalt an. Trotz der Kopfhörer höre ich eine Gruppe Amerikanerinnen hinter mir lautstark diskutieren. Das nervt. Und meinen freien, dazu gebuchten Sitzplatz muss ich stramm verteidigen. Das ist unangenehm und ich kenne es aus Erzählungen von mir bekannten Musikerinnen: Der extra Sitz für das Instrument  muss meistens rabiat verteidigt werden.

Aber jetzt bin ich im vereisten Berlin und weiss, dass morgen gestreikt wird. Keine Tram, kein Bus, keine U-Bahn. Aus Mitleid lassen sie die S-Bahnen laufen. Zum Glück, denn sonst müsste ich auf meine Theatervorstellung verzichten. Obwohl ich einen Trick kenne, wie man bei vereisten Strassen relativ sicher Velofahren kann, wende ich ihn nicht an. Der Trick heisst Kabelbinder um die Reifen legen. Aber ich würde auch mit denen hinfallen und mich womöglich verletzen. So wie es in Berlin im Moment ja viele tun. Siehe die Notaufnahmen: Knochenbrüche, Platzwunden, Hirnblutungen.

Ich verstehe nicht, weshalb in so einer Situation das Salzen der Strassen und Gehwege nicht erlaubt wird. Viel lieber streuen die Berliner Behörden Splitt à gogo. Damit ruiniert man Schuhe, Parkettböden und viele weitere Unterlagen. Auch nutzt das nichts bei wochenlanger Vereisung. Auf nächste Woche ist wärmeres Wetter angesagt. Der Splitt wird uns aber noch wochenlang belästigen.

PS Geradezu grotesk muteten gestern die Leerfahrten der Strassenbahn an. Aufgrund der Kälte und damit die Oberleitungen nicht einfrieren, fuhren die Trams doch, aber niemand durfte zusteigen!

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